ÖGVH Newsletter 4/10: Homöopathie- Medizin zwischen Wissenschaft und Erfahrung

Mai 4, 2010

Im Zuge der aktuellen Diskussion um die wissenschaftlichen Grundlagen homöopathischer Behandlungsmethoden stand der diesjährige Tag der Veterinärhomöopathie am 21. April 2010 ganz bewusst im Zeichen einer sachlichen Auseinandersetzung.

Die Spurensuche führte von Abhandlungen über den Wissenschaftsbegriff der Homöopathie zu datenbasiertem Material aktueller klinischer und experimenteller Studien bis hin zur Darstellung erfolgreicher Fallbeispiele aus der tierärztlichen Praxis.

Gerade in den letzten Wochen flammten – nicht nur in Österreich – Diskussionen über die Wirksamkeit und deren Nachweis in der Homöopathie wieder auf. Der Tag der Veterinärhomöopathie am 21. April 2010 stand aus aktuellem Anlass ganz im Zeichen der Wissenschaftlichkeit der Homöopathie. Als Veranstaltungsort diente diesmal die Universität für Bodenkultur Wien in der Peter-Jordan-Straße, da von der Veterinärmedizinischen Universität Wien leider kein Hörsaal zur Verfügung gestellt wurde. Dennoch konnte eine große Zahl interessierter TeilnehmerInnen begrüßt werden.

Hauptvortragender Dr. Friedrich Dellmour, ein bekannter Humanmediziner, Chemiker und Homöopath, eröffnete seinen Vortrag zur „Wissenschaftlichkeit der Homöopathie“ mit der Begriffsdefinition von Wissenschaft und erläuterte in weiterer Folge die wissenschaftlichen und medizinischen Grundlagen der Homöopathie, die nachweislich  allen laut Brockhaus (19. Auflage, 1994) angeführten Kriterien einer Wissenschaft entspricht.
Zitat Haidvogl 2001:“ Das Denkgebäude der Homöopathie erfüllt alle Kriterien, die an eine Wissenschaft gestellt werden“
Danach leitete er über auf das Thema „Evidenzbasierte Homöopathie“.

Dellmour gelang es auf spannende Weise, den aktuellen Stand von klinischen und experimentellen Studien (z.B. Frass 2005; Faculty of Homeopathy 2008, Righetti 1988, Witt et al 2007), klinische Fallberichte, Outcome-Studien, systematischen Reviews, Meta-Analysen (z.B. Kleijnen 1991, Linde 1997) und den bisher eher wenig bekannten HTA-Report (Bornhöft, Matthiessen 2006) darzustellen und auf die Vielzahl der bereits vorhandenen Studien hinzuweisen. Er beendete seinen  Vortrag mit dem Aufruf an alle homöopathisch praktizierenden KollegInnen, klinische Fälle gut zu dokumentieren – mit dem Ziel, umfassende Datensammlungen anzulegen und so weitere klinische Studien veröffentlichen zu können.

Dr. Peter Knafl wies auch auf die Möglichkeit hin, ein für alle KollegInnen nutzbares einheitliches „Formblatt“ zu erstellen, um so den Arbeitsaufwand zu erleichtern.

Nach einer kurzen Pause, bei der die Stände der Aussteller besucht werden konnten (Remedia, Orthovet, Viathen/Ortho-Dental-Egg) folgten Fallbeispiele aus der Praxis.

Dr. Ines Kitzweger schilderte anhand eines Falles von 2 im selben Haushalt lebenden Katzen, die beide unter chronischem Durchfall litten, dass selbst bei gleicher Erkrankung  oft unterschiedliche (homöopathische) Arzneimittel angewendet werden müssen, um eine Genesung zu erzielen. Ein Nachweis der Bedeutung individueller Anamnese und Medikation, die in der Homöopathie eine wesentliche Rolle spielen.

Aus dem Nutztierbereich war Dr. Armin Schuler vertreten, der 2 interessante Fälle aus dem Rinderbereich mit der von ihm bevorzugten Repertorisationsmethode nach Bönninghausen vorstellte. Um den wissenschaftlichen Aspekt  zu unterstreichen, verwies er auf die gut dokumentierten Darstellungen von Symptomen aus Arzneimittelprüfungen in der „reinen Arzneimittellehre“ Hahnemanns- und verglich diese mit den Symptomen seiner Patienten.

Dr. Erich Scherr berichtete über den Fall eines chronisch kranken Pferdes, dessen Beschwerden mit klassisch schulmedizinischen Therapien nicht behoben werden konnten, das jedoch auf die homöopathische Behandlung sehr gut ansprach. Mag. Helene Widmann wiederum beeindruckte mit einem Fallbeispiel aus der Zahnheilkunde, bei dem die positive Wirkung der homöopathischen Therapie anhand von Röntgenbildern (vor und nach Behandlungsbeginn) objektiv dargestellt und nachgewiesen werden konnte.

ÖGVH-Präsident Dr. Peter Knafl untermauerte abschließend die Wichtigkeit einer genauen Diagnose und Dokumentation mit Hilfe von Fotos und pathohistologischen Befunden, um die erfolgreiche Behandlung mit Homöopathika nachzuweisen.
Er selbst stellte den Fall eines Hundes mit seit Jahren bestehendem Durchfall vor, der nach einigen Monaten homöopathischer Behandlung vollkommen ausheilte. Ebenso wie
ein histologisch nachgewiesenes Melanom in der Maulhöhle eines Hundes erfolgreich homöopathisch behandelt werden konnte. Der bösartige Tumor verschwand unter homöopathischer Therapie vollständig. Einem Rezidiv nach einigen Monaten wurde mit einem Arzneimittel-Wechsel begegnet, worauf sich das Melanom wieder vollständig zurückbildete und innerhalb einer Nachbeobachtungszeit von einem halben Jahr nicht mehr auftrat.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Tag der Veterinärhomöopathie der ÖGVH auch heuer wieder eine erfolgreiche Veranstaltung darstellte, in deren Rahmen die Wissenschaftlichkeit fachgerecht ausgeübter Homöopathie dargestellt und anhand von zahlreichen Falldarstellungen aus der Klein- Nutz- und Pferdepraxis eindrucksvoll demonstriert werden konnte.

Mag. Barbara Steinbrecher

Resümee der Veranstaltung
Dr. Peter Knafl: Die Homöopathie ist eine wissenschaftliche Therapie, welche bei fachgerechter Anwendung durch gut ausgebildete TierärztenInnen immense Möglichkeiten bei der Behandlung akuter und chronischer Beschwerden bietet.
Immer wichtiger wird die Datensammlung praktischer Fälle. Alle homöopathisch tätigen TierärztInnen sind aufgerufen, uns erfolgreich homöopathische Falldarstellungen zu schicken, um unseren Datenpool zu erweitern.

Wir danken der Universität für Bodenkultur für die zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten und den Sponsoren und Firmen-Ausstellern.

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