ÖGVH Newsletter 2/10: Homöopathie in der Pferdemedizin

März 5, 2010

Aaron, ein 1972 geborener Ponyhengst, litt seit Jahren an rezidivierenden mittel- bis hochgradigen Koliken. Spontan berichtete die Besitzerin den typischen Ablauf dieser während der Bewegung beginnenden Koliken: „Wenn Aaron ausschlaucht ohne zu harnen, sich nach rechts umsieht, sich dann hinlegt und wälzt, weiß ich schon was los ist – er hat wieder mal eine Kolik!“

Aaron wurde mehrmals von verschiedenen Tierärzten untersucht; jedoch führten die Ergebnisse von klinischen Untersuchungen, Ultraschall, Bauchpunktion und Laboruntersuchungen zu keiner eindeutigen Diagnose, die unzähligen Therapieversuche zu keinem Erfolg. Ein letzter Therapieversuch sollte noch gestartet werden – die Homöopathie bekam ihre Chance. Eine ausführliche Anamnese brachte weitere eigentümliche Symptome hervor: Aaron schläft mit gekreuzten Beinen. Kalter Wind verschlechtert die Symptomatik.

Die Symptomatik zeigt eine Seitenbeziehung nach rechts. Die klinische Untersuchung ergab angelaufene Beine, extrem kalte Extremitäten, verdickte Zehengelenke, in Bewegung steifen Gang, der sich mit der Zeit besserte und einen empfindlichen, geschwollenen rechten Hoden. Während der Untersuchung zeigte sich Aaron durch Wind und Donner nervös.
Die Repertorisation dieser individuellen Symptome führte zu Rhododendron.

Diese Arznei erhielt Aaron einmalig in der Potenz C200. Im folgenden Monat zeigte Aaron keinerlei Koliksymptomatik. In den folgenden sechs Monaten traten in monatlichen Abständen in ihrem Verlauf abgeschwächte Koliken auf. Über diesen Zeitraum bekam Aaron in monatlichen Abständen jeweils einmalig Rhododendron C200, abschließend einmalig Rhododendron C1000. Seither genießt Aaron sein Leben ohne Koliken! Dieser Fall wurde dankenswerterweise von Dr. Erich Scherr, Pferdetierarzt und EAVH-diplomierter Veterinärhomöopath zur Verfügung gestellt.

Das Fallbeispiel veranschaulicht sehr schön, wo Homöopathie eindrucksvoll zum Einsatz kommen kann und welches ihre Prinzipien sind: ein chronisches, austherapiertes Problem wird nach ausführlicher Anamnese und Untersuchung mit Hilfe einer individuellen, ganzheitlichen Therapie unter Anwendung des Ähnlichkeitsprinzips „Similia similibus curentur“ („Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“) gelöst. Was nicht heißt, dass Homöopathie nicht auch im Akutfall zur Anwendung kommt, aber bei frischen Verletzungen, zumal solchen, die stark bluten, wird man zunächst an Wundversorgung und andere u.U. lebensrettende Maßnahmen denken.

Tatsächlich stehen Homöopathie und Schulmedizin nicht im Gegensatz zueinander, weshalb man auch den Begriff der Alternativmedizin (entweder – oder) durch den Begriff Komplementärmedizin (sowohl – als auch) ersetzt hat: Die Methoden sollen einander ergänzen, die jeweiligen Schwächen der anderen Methode kompensieren und so den Patienten die bestmögliche Therapie gewähren. Die Einsatzgebiete der Homöopathie in der Pferdemedizin sind vielseitig und umfassen u.a. konservativ zu behandelnde Koliken, Atemwegserkrankungen, Verletzungen und Lahmheiten, Stoffwechselerkrankungen, hormonelle Störungen, Infektionskrankheiten, Allergien bis hin zu Verhaltensproblemen wie Turnierangst und Unrittigkeit ohne körperliche Ursache u.v.m.

Folgende Vorteile der homöopathischen Behandlungsweise können dem Pferdebesitzer veranschaulicht werden:

1. Bei Anwendung der klassischen Homöopathie kann durch Verabreichung des Similes der Patient ganzheitlich geheilt werden, d.h. es werden nicht einzelne Symptome behandelt, sondern der gesamte Organismus wird von der krankhaften Verstimmung der Lebenskraft weitgehend befreit.

2. Die homöopathischen Arzneimittel sind i.d.R. nebenwirkungsfrei, vorausgesetzt, es wird das Simile verabreicht.

3. Es besteht keine bekannte Gefahr der Mittelgewöhnung bzw. Resistenzbildung, negative Auswirkungen auf die therapeutische Stärke treten nicht auf.

4. Die Arzneimittel sind kostengünstig und können einfach – ohne Stress für das Pferd – verabreicht werden.

In der klassischen Homöopathie, wie auch in der klassischen Veterinärmedizin, gibt es jedoch auch therapeutische Grenzen: z.B. chirurgisch zu behandelnde Koliken oder Flüssigkeits- und Blutverluste. Weiters kann die Homöopathie haltungs-, fütterungs- oder managementbedingte negative Einflüsse nicht ausgleichen. Auch begrenztes Wissen bzw. mangelnde Erfahrung des behandelnden Tierarztes stellen – ähnlich wie in der klassischen Veterinärmedizin – eine therapeutische Grenze dar.

In Österreich darf jeder Tierarzt – unabhängig von Ausbildung und Erfahrung – homöopathische Arzneimittel anwenden. Das Vertrauen des Patientenbesitzers zum behandelnden Tierarzt steht hier – wie auch in der der klassischen Veterinärmedizin – an erster Stelle und kann am besten durch Nachweis fachlicher Kompetenz und entsprechender Reputation gewonnen werden.

ÖGVH (Österreichische Gesellschaft für Veterinärmedizinische Homöopathie), EAVH (Europäische Akademie für Veterinärhomöopathie) und IAVH (International Association for Veterinary Homoeopathy) bieten die Möglichkeit einer fundierten Ausbildung mit anerkanntem Abschluss (Diplom bzw. Zertifikat). Entsprechend anderen Facharztausbildungen kann der Titel Fachtierarzt für Homöopathie nach Beleg supervisierter praktischer homöopathischer Tätigkeit und Absolvierung einer kommissionellen Prüfung erworben werden.

Derart fundierte Ausbildung sind wesentlich für eine erfolgreiche Anwendung homöopathischer Methoden und Mittel – denn der vorschnelle Weg wird im Falle homöopathischer Behandlungsweise NICHT zum Ziel führt: Entsprechend den Hinweisen in bestimmten Fachbüchern, in denen sogenannte „klinisch bewährte Indikationen“ (z.B. Arnika bei Verletzungen) aufgelistet sind, werden oft ohne gründliche Anamnese und klinische Untersuchung Arzneimittel auf Verdacht – nicht nach den Grundsätzen der Homöopathie – eingesetzt.

Diese sind jedoch von den Autoren dieser Fachbücher nur als erste Vorschläge gemeint und müssen durch eine gründliche Anamnese und klinische Untersuchung erhärtet werden. Oft werden auch nach Abklärung der klinischen Diagnose, d.h. vor allem nach Feststellung der Art der Erkrankung, mehrere Einzelmittel mit einer starken Beziehung zu den betroffenen Organen in verschiedenen Potenzen eingesetzt. Hierdurch können im Laufe der Behandlung Symptome verdeckt oder unterdrückt werden, so dass eine korrekte Arzneimittelfindung des Similes für eine weitere Behandlung erschwert, in manchen Fällen auch verunmöglicht, wird.

Selbst wenn rasch ein Erfolg eintritt, kann von einer Wiederkehr der Symptome nach Abklingen der Arzneimittelwirkung ausgegangen werden. Hiermit sei nochmals die Bedeutsamkeit der klassischen Homöopathie mit ihren Prinzipen – Ähnlichkeitsprinzip, Prinzip der Ganzheitlichkeit und der Individualität – hervorgehoben, die nur nach fundierter Ausbildung gekonnt angewendet werden kann!

Mehr zu homöopathischer Behandlung von akuten und chronischen Koliken und Erkrankungen des Respirationstrakts des Pferdes erfahren Sie im ÖGVH-Seminar „Homöopathisches Pferdeseminar für Praktiker: Koliken und Erkrankungen des Respirationstrakts – miasmatischer Zugang und Kasuistiken“ mit Dr. Marc Bär, Dr. Gerhardt Kowald und Dr. Erich Scherr“ von 28.-30.01.2011.

Dr. Petra Weiermayer
EAVH-diplomierte Veterinärhomöopathin

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Dr. Petra Weiermayer

Abschluß des Doktoratsstudiums 2007 an der Vetmed Uni Wien. Neben klin. Übungen an der Washington State University absolvierte sie während des Studiums Praktika in Irland, Belgien, den USA und nach dem Studium ein einjähriges Internship an der Pferdeklinik der Vetmed Uni Wien. Seit 2009 arbeitet sie als Medizinische Gutachterin bei AGES PharmMed Institut für Zulassung und LifeCycleManagement. 2009 Abschluß der EAVH-Ausbildung an der Akademie für Veterinärhomöopathie. Seither widmet sie sich in ihrer Freizeit der Unterstützung der Homöopathie v.a. in der Pferdemedizin.

Dr. Petra Weiermayer
Fünkhgasse 2/3/25, 1140 Wien; Telnr.: 0043 664 861 89 64; E:petra.weiermayer@gmx.at

 

VERANSTALTUNGSANKÜNDIGUNGEN 2010 der ÖGVH:
6./7. März 2010 EAVH (Europäische Akademie für Veterinärhomöopathie)
Seminarort: Regen (Nähe Passau, www.tagungshaus-bayerischer-wald.de)
Schwerpunkt: Fallbearbeitung, Leber, Pankreas
Infos unter www.eavh.de

17./18. April 2010 EAVH (Europäische Akademie für Veterinärhomöopathie)
Seminarort: Regen (Nähe Passau, www.tagungshaus-bayerischer-wald.de)
Schwerpunkt: Fallbearbeitung, Konstitution
Infos unter www.eavh.de

1.-2. Mai 2010: INTENSIVKURS Ausbildung Veterinärhomöopathie
Hotel Pöllmann, Zell/Moos (Irrsee, Österreich)
Infos unter www.oegvh.at

12./13. Juni 2010 EAVH (Europäische Akademie für Veterinärhomöopathie)
Seminarort: Regen (Nähe Passau, www.tagungshaus-bayerischer-wald.de)
Schwerpunkt: Fallbearbeitung, Chronische Krankheiten
Infos unter www.eavh.de

10.-11. Juli 2010 EAVH-Fachfortbildung: Die Boger Methode in der Veterinärmedizin
Einführung in den Umgang mit Boger´s General Analysis mit vielen praktischen Veterinärfällen aus der Klein- und Nutztierpraxis.
Ort: Regen (D, Nähe Deggendorf)
Anmeldung und Info:  www.eavh.de

9.-12. Sept. 2010 Vet-Forum Oberlech
Grundlagen der Miasmenlehre, Materia Medica einiger Nosoden, Kalisalze in der Veterinärmedizin
Referenten: Dr. Marc Bär, Dr. Gerhard Kowald
Ort: Hotel Gotthard Lech am Arlberg
Info: www.vetforum-oberlech.net

11./12. Sept. 2010 EAVH (Europäische Akademie für Veterinärhomöopathie)
Seminarort: Regen (Nähe Passau, www.tagungshaus-bayerischer-wald.de)
Schwerpunkt: Fallbearbeitung, Das syphilitische Miasma in der Veterinärmedizin
Infos unter www.eavh.de

9.-10.Okt. 2010 Komplementärmedizin in der Nutztierpraxis und Bestandsbetreuung
V: Dr. Nicole Herout, Dr. Doris Gansinger, Dr. Ursula Friedmann
Informationen und Anmeldung: oegvh@homoeopathie.at

Teil 1: Komplementärmedizin in der Nutztierpraxis: Grundlagen und Akutarzneien am 9.+10.10.2010
Teil 2: Komplementärmedizin in der Nutztierpraxis: Homöopathie im Geburtsmanagement, Nosoden, Miasmen am 13.+14.11.2010

15. Okt. 2010 ÖGVH-Lehrpraxis Veterinärhomöopathie „Praktische Homöopathie am Live-Patienten“
Hotel Pöllmann, Zell/Moos (Irrsee, Österreich), 15-19h
Nähere Infos folgen.

16.-17. Okt. 2010: ÖGVH JAHRESTAGUNG
Thema: „Haut“ Genaue Infos folgen.
Hotel Pöllmann, Zell/Moos (Irrsee, Österreich)

6./7. November 2010 EAVH (Europäische Akademie für Veterinärhomöopathie)
Seminarort: Regen (Nähe Passau, www.tagungshaus-bayerischer-wald.de)
Schwerpunkt: Fallbearbeitung, Das sykotische Miasma in der Veterinärmedizin
Infos unter www.eavh.de

15./16. Jänner 2011 EAVH (Europäische Akademie für Veterinärhomöopathie)
Seminarort: Regen (Nähe Passau, www.tagungshaus-bayerischer-wald.de)
Schwerpunkt: Fallbearbeitung, Das tuberkulinische und psorische Miasma in der Veterinärmedizin
Infos unter www.eavh.de

28.-30. Jänner 2011 ÖGVH Pferdeseminar
„Homöopathisches Pferdeseminar für Praktiker: Koliken und Erkrankungen des Respirationstrakts – miasmatischer Zugang und Kasuistiken“ mit Dr. Marc Bär, Dr. Gerhardt Kowald und Dr. Erich Scherr“.
Seminarort: Wien bzw. Nähe Wien
Nähere Infos folgen unter www.oegvh.at

Für weitere Informationen kontaktieren Sie uns oder besuchen Sie unsere neu überarbeitete Homepage unter www.oegvh.at

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