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Die diesjährige Jahrestagung der ÖGVH vom 24.-25. Oktober 2009 im Hotel Pöllmann am Irrsee stand unter dem Motto „Leber, Milz, Pankreas, von der Klinik zur heilenden Arznei.“
Nachdem Dr. Peter Knafl, Präsident der ÖGVH Teilnehmer begrüßt hatte ging es sofort mit einem fachlichen Feuerwerk los.
Die Dipl.-Tierärztin Astrid Kuhn von der Tierklinik Breitensee, Wien, gab ein schulmedizinisches Fresh-Up zur Leber, von den anatomischen Grundlagen, der Funktion des Organes über bildgebende Untersuchungsverfahren und den Laborwerten bis zu den verschiedenen Erkrankungsformen dieses zentralen Stoffwechselorganes.
Schon mit ihrem Einstieg über einige Pilze und deren Vergiftungsauswirkungen auf die Leber zog sie die Zuhörer in den Bann eines Vortrages, der bei aller notwendiger Theorie geprägt war von anschaulicher Praxisnähe, da auch die Möglichkeiten operativen Vorgehens und die schulmedizinischen Therapiemöglichkeiten umfassend dargestellt wurden.
Gerade auch die toxikologischen Ausführungen von Astrid Kuhn fanden das besondere Interesse der Zuhörer, ist doch für die Homöopathie dieser Bereich höchst aufschlussreich zur Auffindung des pathologischen Simile.
Am Nachmittag referierte Astrid Kuhn mit derselben Verve über die Milz und die Bauchspeicheldrüse und bot erneut ein schulmedizinisches Fresh-Up allererster Güte.
Doch davor referierte zunächst Dr. Gaby Rottler aus D-Weissenburg zum Thema: „Homöopathische Wegweiser Leber. Neue Denkansätze zur Arzneimittelfindung“.
An Vorgehensweisen listet die Referentin zunächst den Weg über bekannte Lebermittel der Materia medica auf, von denen ausgehend man dann die Vergleichsmittel studieren kann. Ein zweiter Weg geht über die Leber-Rubriken eines Repertoriums und dem Studium der so aufgefundenen Mittel.
Die Betrachtung von kleineren Mitteln, die in den gemeinsamen Rubriken von z.B. zwei großen Lebermitteln aufgeführt werden, ist eine dritte Möglichkeit und die Auflistung aller wichtigen Symptome mit Erkrankungen/Beschwerden der Leber und aufsuchen der vorrangigen Mittel eine weitere. Als fünfte Vorgehensweise bietet sich die toxikologische Betrachtungsweise an, da durch große Dosen hervorgerufene Symptome als sehr zuverlässig zu betrachten sind.
Immer wieder aufgelockert durch mitgebrachtes Anschauungsmaterial sowie Zitate aus, bei der Referentin beliebten, antiquarischen Werken alter Meister stellte Gaby Rottler einige weniger bekannte Mittel, wie Aesculus hippocastanum, Arum maculatum, Heliotropium Arborescens und Senecio jacobaea vor.
Nach der Mittagspause berichtete Stefan Wesselmann aus D-Wallhausen über „Stoffwechselstörungen und Inappetenz der Sau rund um die Geburt. Prophylaxe und Therapie“ . Der Referent, ein ausgesprochen erfahrener Spezialist in der homöopathischen Schweinepraxis, ging zunächst auf die möglichen Ursachen und die häufigsten Symptome ein und stellte dann eine ganze Reihe von Mitteln vor, deren Leitsymptome zum Problemkreis passend sein können: Penicillinum und Borax beim Bild der Endotoxikose, Okoubaka bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, Chelidonium, Carduus m. und Cholesterinum als bedeutende Leber-Galle-Mittel, Lycopodium u.a. bei Obstipation, und Mykotoxinbelastung, Oleum jecoris aselli bei Kümmmern, des weiteren Insulinum und einige weitere wichtige Arzneimittel, die je nach Krankheitsbild in Erwägung zu ziehen sind, etwa Tuberculinum, Sulfur, Berberis, Solidago, Influenzinum und Nux vomica.
Mit einem konkreten Fall aus der Praxis der Betreuung eines Großbetriebes schloss Stefan Wesselman seinen gewohnt praxisorientierten Vortrag ab, der auch für Kleintierpraktiker/Innen gute Querschlüsse zuließ.
„Kasuistiken aus der Kleintierpraxis“ von Gabriele und Peter Knafl aus Klosterneuburg bot dann auch den diesbezüglich Hauptinteressierten spannend und interessant vorgetragene homöopathische Praxis aus erster Hand. Die Fallaufnahme, Repertorisation, Mittelsuche und -findung sowie die therapeutische Vorgehensweise bei einer Katze mit epileptischen Anfällen und einem Lebertumor, einer Katze mit einem Tumor sowohl im Bauchbereich (Leber/Milz) als auch an der linken Maulseite, sowie einer insulinpflichtige Katze mit chronischer Niereninsuffizienz ergab nicht nur tiefe Einblicke in die Arbeitsweise der beiden überaus versierten Veterinärhomöopathen, sondern auch Anlass für eine angeregte Diskussion der Fälle.
Nach dem zweiten Beitrag von Astrid Kuhn war es Ass. Prof. Dr. Agnes Dadak, Wien, die über die „Beeinflussung homöopathischer Arzneien durch elektromagnetische Felder“ referierte. Anhand der Kaulquappenmetamorphose konnte nicht nur die Wirkung des homöopathischen Mittels Thyroxin D30 zweifelsfrei wissenschaftlich bewiesen werden, dieselbe Versuchsanordnung konnte auch nachweisen, dass es störende Einflüsse auf die Wirkung homöopathischer Mittel durch elektromagnetische Felder gibt. Drau Dr. Agnes Dadak benannte speziell DECT-Schnurlostelefone, PC, TV, WLAN Router, Mikrowelle und Mobiltelefon als Auslöser für Wirkungsbeeinträchtigungen homöopathischer Substanzen. Diese sollten vor solchen Einflüssen geschützt werden. Für die Praxis ebenfalls von Bedeutung ist der Hinweis, dass der Transport homöopathischer Mittel in Kunststoffbehältnissen zu unterlassen ist, da es in diesen Medien ebenfalls zu störenden Einflüssen auf das Arzneimittel kommt.
Mit dem zweiten Vortrag von Stefan Wesselmann, „Stoffwechselbedingte Verminderung der Mast/Legeleistung beim Legehuhn/Pute“ fand der überaus lehrreiche erste Tag der Veranstaltung einen erneut stark praxisbezogenen Abschluss. Stefan Wesselmann konnte selbst bei diesem sehr speziellen Thema eine Fülle von auf andere Tierarten übertragbare Hinweise geben, vor allem über die in Frage kommenden Mittel und deren Anwendungsweise in Prophylaxe und Therapie. Der Weg ging erneut über die Ursachen und die Symptome zu den unterschiedlichsten Arzneien z.B. bei Fütterungsfehlern, Stress, Impffolgen, sinkender Herdenmobilität oder Verhaltensstörungen.
Der zweite Tag wurde von Dr. Erich Scherr aus Wien eröffnet, welcher „Fälle aus der Pferdepraxis“ vorstellte. Doch bevor er drei Fälle aus seiner Praxis referierte, ging er zunächst auf die Anatomie von Leber, Pankreas und Milz beim Pferd ein und streifte nochmals kurz die Physiologie der Leber. Ganz im Sinne eines ganzheitlichen Denkens waren dann seine Ausführungen zur Aufgaben der Leber als Ordnung-, Transformations- und Lebenskraft sowie ihre mentalen Themen und zum miasmatischen Hintergrund beim Leberpatienten Pferd.
Das Hauptsymptom bei Lebererkrankungen des Pferdes ist zumeist eine Kolik, spezifische klinische Hinweise sind eher selten. Aber in der Homöopathie wird eine Leberschwäche selbst dann durch Symptomenmuster erkannt, wenn noch keine offene Leberkrankheit vorliegt.
Seine drei Praxisfälle waren zum einen ein Fall von Cholangiohepatitis akute mit organotroper Behandlung und zum anderen eine chronische Stoffwechselerkrankung, welche er konstitutionell und organotrop behandelte. Zum Dritten berichtete er von einer chronische Erkrankung, bei welcher er als Homöopath zunächst nur als unfreiwilliger Zuschauer den miasmatischen Verlauf bis hin zur Cancerinie beobachten konnte, um dann im absoluten Endstadium mit miasmatischen Mitteln nur noch eine geringgradige kurzfristige Besserung erzielen zu können. Dennoch zeigte gerade dieser dritte Fall in dramatischer Eindringlichkeit, den fortschreitenden destruktiven Verlauf einer chronischen Krankheit.
Dr. Armin Schuler aus Hatting stellte seine „Homöopathische Behandlung von Leberstoffwechselstörungen bei der Kuh mit Fällen“ vor. Seine Arbeitsweise dabei ist die Methode nach Bönninghausen, wobei er die Diagnose und den Behandlungserfolg neben dem klinischen Bild durch die jeweilige Messung des Ketonwertes mittels Precision Xceed absicherte. Dr. Armin Schuler konnte mit seinen Beispielen aufzeigen, dass selbst bei einer vordergründig betrachteten standardisierten schulmedizinischen Diagnose wie der Ketose des Rindes mittels homöopathischer Betrachtungsweise in jedem Einzelfall durchaus unterschiedliche charakteristische Symptome im Sinne des § 153 ermittelt werden können. Die über die Rubriken nach Bönninghausen herausgearbeiteten Arzneimittel erwiesen sich als charakteristisch und führten im Zusammenhang mit der notwendigen Substitutionstherapie (Glucose) zum Erfolg. Bei symptomenarmen Fällen konnte Dr. Armin Schuler belegen, dass sich der Einsatz von Sulphur als Reaktionsmittel durchaus bewährt hat.
„Milz: Splenitis, Umfangsvermehrung, Tumore. Die Milzexperten: Einige kaum bekannte Arzneien“ war das nächste Thema von Dr. Gaby Rottler. Ausgehend von einem Symptomenverzeichnis Milz nach Stauffer ergoss sich über die Teilnehmer nochmals ein wahres Symptomenfeuerwerk und ein Schnelldurchgang durch die entsprechende Materia medica zahlreicher Mittel. Mit Aqua glandus quercus und Ceanothus standen zwei Arzneien, mit denen bereits Rademacher und Burnett ihre Erfahrungen gemacht hatten, im Mittelpunkt einer ganzen Reihe weiterer Substanzen mit Bezug zur Leber und zur Milz. Die Referentin gab bei all ihren Vorträgen immer wieder nützliche Hinweise auf Quellen und Informationsmöglichkeiten zur Toxikologie der verschiedensten Mittel/Pflanzen.
Im selben Stil erfolgte der letzte Vortrag der diesjährigen Jahrestagung, in welchem erneut Dr. Gaby Rottler das Thema „Pankreas: Pankreatitis, Exokrine Pankreasinsuffizienz, Diabetes, Tumore. Kleine und große Arzneimittel“ aufarbeitete. Erneut führte Stauffers Symptomenverzeichnis Pankreas zunächst zu einigen großen Mitteln, wie z.B. Arsen, Atrop-sulf., Jod oder Phosphorus.
Bewährte spezifische Mittel für die verschiedenen Erkrankungen des Pankreas wurden aufgeführt und erneut einzelne, teils wenig bekannte Mittel etwas näher beleuchtet: Chionanthus, Iris ves., Syzigium, Uranium nitricum oder Tungstenium met.; die homöopathische Materia medica ist und bleibt eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen auch der modernen Medizin.
Einmal mehr war die Jahrestagung der ÖGHV ein Höhepunkt im Jahresablauf der österreichischen Veterinärhomöopathie. Dr. Peter Knafl ist es erneut gelungen eine interessante Mischung von Fachvorträgen zusammen zu stellen, die Ihresgleichen sucht. Die Referenten boten ein wahres Kaleidoskop der wissenschaftlichen Homöopathie, mit einer Praxisnähe, die erneut aufzeigte, welch hohen Stellenwert die Veterinär-Homöopathie zwischenzeitlich gefunden hat und mit wie viel Erfolg damit praktiziert werden kann.
So hinterließ die Veranstaltung bei allen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck mit einer Fülle von Anregungen und Fakten, die nunmehr in die tägliche Praxis einfließen können.
Untermauert wurde der hervorragende Gesamteindruck zusätzlich noch durch die am Freitagnachmittag vorgeschaltete „Lehrpraxis Veterinärhomöopathie“ von Dres. Gabriele und Peter Knafl.
„Praktische Homöopathie am Life-Patienten“ war angekündigt und genau dies wurde über 4 intensive Arbeitsstunden an verschiedenen tierischen Patienten gemeinsam und in Gruppenarbeit gemacht. Ein zusätzlicher Höhepunkt einer an Höhepunkten reichen Veranstaltung, zu der man die Verantwortlichen der ÖGVH nur beglückwünschen kann.
Dr. Günter Wiebusch
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